Grundausbildung und Fortbildung
für lizenzierte IAWO - Übungsleiter und Trainer im Kampfsport
am 24. Februar 2018 in Bayreuth – St. Georgen

 

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Am 24.02.2018 war es wieder soweit……die bedeutende und überregional bekannte Traineraus- und -weiterbildung der IAWO in Zusammenarbeit mit der Budo Akademie Bayreuth startete um 8.00 Uhr mit topaktuellen Themen und einer ausverkauften Veranstaltung in die diesjährige Runde. Die hohe Qualität dieser überregional bedeutenden Lehrveranstaltung wird verdeutlicht durch die Ausbildungsinhalte, die akribisch und anschaulich aufbereiteten Schulungsunterlagen, die Referenten und das besondere Interesse an dieser Ausbildung, zu der die vielen Teilnehmer u. a. aus dem Ausland, verschiedenen deutschen Bundesländern und unterschiedlichen Organisationen, Vereinen, Budoarten und Altersgruppen vom Verbandspräsidenten der IAWO und Leiter der Budo Akademie Bayreuth, Dipl.-Ing. Wolfgang Gröger, begrüßt werden konnten.  

Es besteht der hohe Anspruch und das besondere Interesse der IAWO, nicht nur hervorragende Wettkampf- und Breitensportler, sondern auch erstklassige Trainer auszubilden und damit eine hohe Qualität beim Training in den Vereinen und Schulen, die dem Verband angeschlossen sind, sicher zu stellen. Erreicht wird dies durch den für Trainer und Übungsleiter unerlässlichen Besuch von hochqualifizierten Bildungsmaßnahmen. Durch diese Veranstaltungen wird Trainern ermöglicht,  Qualität und Kompetenz in allen Bereichen der Trainingslehre an ihre Trainierenden zu liefern. Die IAWO ist sich dieser besonderen Verantwortung bewusst und hat sich seit Jahrzehnten erfolgreich zur Aufgabe gemacht,  diesem Qualitätsanspruch  besondere Rechnung durch eine hochwertige, umfängliche und abwechslungsreiche Aus- und Weiterbildung von Trainern zu tragen. Die Auswahl der Ausbildungsthemen, die Fachkompetenz der Referenten und die hochwertige Zusammenstellung der Seminarunterlagen unterstreichen zudem deutlich diesen Anspruch.

Der Besuch dieser Veranstaltung ist Pflicht für:

-         - alle IAWO-Trainer / DAN-Träger mit abgelaufener oder ungültiger Lizenz

-          - Mitglieder, die unter der Autorität der IAWO unterrichten wollen

-          - Mitglieder, die eine Zulassung zu einer Gurtprüfung ab 1. Kyu aufwärts erhalten wollen

Aus besonderer Veranlassung wird darauf hingewiesen, dass eine Missachtung dieser verpflichtenden Bestimmung bis zum Verbandausschluss führen kann.

Wolfgang Gröger (Shihan 15. DAN Bujinkan Budo Taijutsu, Soke Goshin Taijutsu, u. a.), Präsident der IAWO, eröffnete die Veranstaltung mit dem Themenbereich Aktuelle Grundlagen zur Trainingslehre, Trainingsmethoden und Funktionsgymnastik. Der international lizenzierte und renommierte Budotrainer und Meisterlehrer erläuterte die Ziele des Trainings, die psychologischen Aspekte, Menschenführung und Ablauf von Prüfungen. Das Thema Trainingsmethoden beinhaltete neben diesen Methoden (z.B. extensive Intervallmethode, Dauermethode) und den hiermit im Zusammenhang stehenden Belastungskomponenten (z.B. Kondition, Überkompensation) auch die Grundzüge anatomisch/physiologischer Bedingungen des Körpers mit Relevanz für den Trainingsbereich und den sinnvollen Aufbau eines Trainings. Wie üblich richtete er als entschiedener Verfechter geeigneter und verletzungsfreier Trainingsmethodik sein besonderes Augenmerk auf die aktuelle Funktionsgymnastik. In seiner über 50jährigen Kampfsporterfahrung musste er wiederholt in verschiedenen Vereinen außerhalb des Verbands die mangelnde Funktionalität von Aufwärmübungen und die hiervon ausgehende Gefahr von Gesundheitsschädigungen feststellen. Die Gründe hierfür waren, dass die jeweiligen „Übungsleiter“ oftmals nie eine qualifizierte Trainerausbildung genossen haben oder aber irgendwann etwas richtig gelernt haben, was aber Jahre später nicht mehr in physiologischer und medizinischer Hinsicht sinnvoll war. Es wurden nicht nur diese unfunktionellen Übungen beschrieben, sondern auch die hierdurch möglichen gesundheitlichen Schädigungen von Knochen, Gelenken, usw. aufgezeigt. Der Vortrag hat vielfältige Empfehlungen für eine adäquate  Funktionsgymnastik, wettkampforientiertes Aufwärmen, usw. anhand von praktischen Übungen für alle Körperbereiche, enthalten und ist somit unverzichtbarer Bestandteil der Trainerausbildung.

Wolfgang Gröger informierte anschließend im 2. Teil seiner Lehrtätigkeit über Allgemeines und Aktuelles aus dem Verbandswesen  - ….. ein Thema, das unerlässlich für die Identifikation der Mitglieder mit ihrem Verband ist. Der Verbandspräsident stellte umfänglich die Organisation und Struktur des Verbandes mit Präsidium, Kommissionen und Zuständigkeiten dar,  erläuterte die Lizenzen, Regeln, Beiträge, Aufnahmebedingungen sowie Prüfungsordnungen und wies auf künftige Lehrgänge und Planungen sowie auf die zwischenzeitlich eingetretenen Neuerungen hin.  Die IAWO vereinigt derzeit 11 Budo-Sportarten, deren nationale und internationale Vereine, Schulen und Mitglieder sowie externe Mitgliedschaften unter ihrem Dach und ist zusammen mit der angeschlossenen Budo Akademie Bayreuth überregional bekannt für ihre Ausbildungen, Lehrgänge und Seminare.

Holger Otto (Sensei 3. DAN Bujinkan Budo Taijutsu), Arzt für Allgemeinmedizin mit eigener Praxis und selbst begeisterter Kampfsportler, referierte über den bei dieser Trainerausbildung unverzichtbaren Bestandteil  Aktuelle Erste Hilfe bei Verletzungen im Training bzw. Wettkampf, HLW und Defibrillator. Holger Otto informierte anschaulich aus seiner langjährigen Erfahrung  und täglichen Praxis sowie über auf die jeweilige Verletzung abgestimmte Maßnahmen zur Ersten Hilfe, die hieraus resultierenden sportmedizinischen Aspekte sowie über eine Zusammenfassung der Leitlinien für Erste Hilfe. Hierbei wurde besonderer Wert auf die Vermittlung von Neuerungen gelegt.  Die einzelnen Schritte der Herz-Lungen-Wiederbelebung in Einhelfer- und Zweihelfer-Methode einschl. der Rettungskette, psychologischer Hilfe und Feststellen von Bewusstlosigkeit, Atmung und Puls sowie der  Rautek-Rettungsgriff und die stabile Seitenlage wurden nachhaltig praktisch von allen Teilnehmern geübt.  Besonderer Bestandteil seines diesjährigen Vortrags war der Einsatz und die Anwendung des Automatisierten Externen Defibrillators (AED) sowie die Erste Hilfe bei Traumanotfällen.  Holger Otto führte immer wieder auf eindrucksvolle Weise vor Augen, wie extrem wichtig es ist, sich als Trainingsverantwortlicher im Bereich der Ersten Hilfe fortzubilden, um Unfall- und Verletzungssituationen adäquat begegnen zu können.

M.Ed. Tina Christiansen (Sensei 4. DAN All-Style-Karate), Gymnasiallehrerin und Dozentin für Deutsch als Zweitsprache, zeigte richtungweisend und geprägt von ihrer eigenen Erfahrung als Dozentin und Trainerin in ihrem Vortrag die besondere Bedeutung der Persönlichkeitsentwicklung durch Kampfsport aus der Perspektive einer Pädagogin auf. Zunächst wurden die Bestandteile der menschlichen Persönlichkeit (Merkmale, Eigenschaften) und das Fünf-Faktoren-Persönlichkeitsmodell vorgestellt und eingehend erläutert. Anschließend wurden die Persönlichkeitsentwicklung entscheidend beeinflussenden Faktoren (Anlage, Prägung, Entscheidungen), die Ursachen von Persönlichkeitsstörungen sowie die Differenzierung dieser Störungen nach verschiedenen Hauptgruppen dargestellt und besprochen.  Hieraus resultierend wurden Rahmenbedingungen für einen entwicklungsfördernden Unterricht (Struktur, Unterstützung, Herausforderungen) und die davon ausgehenden positiven  Sozialisationswirkungen erarbeitet. Aufgrund vorliegender wissenschaftlicher Erkenntnisse wurden letztlich auch die positiveren Aspekte zu Verhaltensweisen, Gesundheit und Lebensführung sportlich aktiver Menschen dargestellt. Unter abschließender Beurteilung hat dieser Vortrag im Ergebnis bessere Einflussmöglichkeiten auf eine positive Persönlichkeitsentwicklung von Unterrichtsteilnehmern eröffnet.

Jonathan Scheil, Polizeibeamter, widmete sich mit seinem Vortrag der mittlerweile hochbrisanten Thematik Verbotene Waffen und rechtliche Konsequenzen nach dem aktuellen Stand. Nicht nur die waffenrechtlichen Bestimmungen und Kriterien nach dem Waffengesetz (Zuverlässigkeit, persönliche Eignung, Nachweis des Bedürfnisses) und der Umfang der verbotenen Waffen wurden, begleitet von vielen Beispielen aus der Praxis, eingehend erläutert, sondern auch auf die Rechtssituation bei dieser äußerst sensiblen Thematik in unmissverständlicher Deutlichkeit hingewiesen. Die hohe Aktualität dieses Themas war auch den Ereignissen in der jüngeren Vergangenheit und dem damit im Zusammenhang stehenden erhöhten Interesse der Bevölkerung am Erwerb von Waffen (kleiner Waffenschein/großer Waffenschein) geschuldet.

Jonathan Scheil referierte im 2. Teil seines Vortrags  über Aktuelle Nothilfe / Notwehr bei  Auseinandersetzungen in privaten Situationen und auf der Straße. Die Grundlagen und Konsequenzen der Notwehr und Nothilfe sowie damit im Zusammenhang stehende Bereiche (z.B. Putativnotwehr, Notwehrüberschreitung), der rechtliche Hintergrund  und die Deeskalation als schwierigste Aufgabe des Konfliktmanagements wurden präzise erläutert und anhand von Fallbeispielen mit den Teilnehmern geübt. Mit seiner weitreichenden Erfahrung als Polizeibeamter im aktiven Einsatz und durch seine anschauliche Art der Darstellung, bei der auch keine Frage unbeantwortet bleibt, ist Jonathan Scheil als Referent für seine Themenbereiche zweifellos besonders prädestiniert.

Joachim Schweitzer (Shihan 10. DAN Goshin Taijutsu, u. a.), Unternehmensberater, Verhaltenstrainer und Business-Coach, beendete die Veranstaltung  mit seinem Vortrag  Szenarien bei Kriminellen im Verein… ein unerlässliches und äußerst aktuelles Thema  in der heutigen von zunehmendem Werteverfall und Gewalt gekennzeichneten Zeit. Die präventive Ausrichtung  bei dieser Thematik im Verein erfolgt in einzelnen Schritten und ist primär von eigenbestimmtem und richtungsgebendem Agieren geprägt. Sie regelt vorbeugend das harmonische, gemeinschaftliche, respektvolle und  sportliche Zusammenleben und verhindert, dass die falschen Leute im Verein trainieren. Joachim Schweitzer zeigte die einzelnen, in seinen Vereinen erfolgreich implementierten Schritte zur Erreichung dieses Ziels umfassend  auf. Hierzu gehören zunächst die Strukturierung des Vereins mit den beschlossenen Zielsetzungen und darauf aufbauend die Leitlinien des Vereins sowie die Verpflichtung zur Vermittlung von positiven Werten durch die Vereinsführung und Trainingsverantwortlichen als Instrument der Vereinskultur. Besondere Betrachtung richtet sich auf das Erstgespräch mit Neuinteressenten und die Vertragsgestaltung (Anerkennung der Leitlinien, Probezeit, usw.). Auch die weitere Wahrnehmung über die persönliche Entwicklung von Mitgliedern ist bedeutsam.  Abschließend wurden Bausteine zu konsequentem Handeln bei Verstößen empfohlen;  inkonsequentes Handeln schadet auch nachhaltig dem Ansehen des Vereins im öffentlichen Fokus.

Nach einer Pause wurde die Prüfung vollzogen, für die die Teilnehmer ausreichend Zeit hatten. Aus dem besonderen Engagement der Teilnehmer während des Trainerlehrgangs wird bereits jetzt ein hervorragendes Prüfungsergebnis erwartet.

Rückblickend haben die Teilnehmer mit dieser Ausbildung eine besondere Veranstaltung erlebt, die sie in ihrem künftigen Lehr- und Lernverhalten nachhaltig positiv beeinflussen wird. Neues zu erleben und Verbesserungen zu vollziehen ist keine Belastung, sondern eine Bereicherung. Leben ist ständiger Veränderung unterworfen, die uns die Bereitschaft abfordert, Neues zu lernen. Lernen ist leben.

Joachim Schweitzer, Shihan 10. DAN
IAWO-Fachbereichsleiter Eskrima
(Mitglied der IAWO)

 


Wolfgang Gröger

Holger Otto

Tina Christiansen

Jonathan Scheil

Joachim Schweitzer
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